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Wie konnte es dazu kommen?

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Jenseits aller Verurteilungen und aller Empörung über den Fall Guttenberg frage ich mich, wie es eigentlich dazu kommen konnte, daß er eine so schlechte Arbeit abgeliefert und dann auch noch publiziert hat. Ich denke, daß er unabhängig von jedem Moralempfinden doch hätte darüber nachdenken können und müssen, daß er damit das Risiko eingeht, daß die schlechte Qualität seiner Dissertation irgendwann ans Licht kommt.

Im Grunde gibt es nur zwei Erklärungen dafür: Entweder es fehlte ihm an der Erkenntnis, daß mit dieser Dissertation "etwas nicht stimmt", oder aber es war ihm egal. Wenn das Letztere der Fall ist, dann stellt sich die Frage: Wieso war es ihm egal? Hat er den Skandal und die sich darauf ergebenden Folgen möglicherweise unbewusst herbeigesehnt? Dies ist eine Frage, zu der ihn ein Psychologe in ausführlichen Sitzungen befragen müsste. Ich lasse sie mal offen, und wende mich der anderen Möglichkeit zu: Daß es ihm an der Erkenntnis gefehlt hat.

Nun ist es aber so, daß er immerhin 7 Jahre an der Universität verbracht hat, und von den Professoren positiv bewertet wurde. Es wird in Bayreuth nicht anders sein als an anderen Universitäten, daß man seine Scheine nur dann bekommt, wenn man zumindest in der Form von Semesterarbeiten bereits gezeigt hat, daß man die grundlegende Methodik wissenschaftlichen Arbeitens verstanden hat. Selbst wenn es denkbar ist, daß man später beim Bundestagsabgeordneten und CSU-Generalsekretär beide Augen zudrückte, dürfte das in den Jahren vor 1999 noch nicht der Fall gewesen sein.

Wenn es ihm also trotz der 7 Jahre Studium an der Erkenntnis fehlt, daß mit der Dissertation etwas nicht stimmt, dann gibt es hierfür wiederum zwei mögliche Erklärungen dafür: Entweder hat er einen psychischen Defekt, der es ihm unmöglich macht, die Realitäten wahrzunehmen und die Qualität seines eigenen Werkes kritisch zu hinterfragen - oder aber (was ja oft vermutet wird) die Dissertation war nicht nur nicht sein Werk, sondern er hat sie darüber hinaus nicht einmal gelesen, bevor er sie abgegeben hat.

Die erste Möglichkeit muß ich zur weiteren Erörterung wieder den erwähnten Psychologen überlassen, die dazu die erwähnten ausführlichen Sitzungen absolvieren müssten. Ich wende mich deshalb der zweiten Möglichkeit zu. Nehmen wir also einmal an, er hätte diese Dissertation von einem Ghostwriter schreiben lassen, und untersuchen diesen hypothetischen Fall.

Einiges spricht dafür, daß es so ist.

Seine spontane Reaktion "das ist abstrus" zum Beispiel war sehr überzeugend. Wäre es wirklich so, daß er in gutem Glauben war, daß der von ihm beauftragte Ghostwriter gute Arbeit geleistet haben muss (da er ja auch sicherlich gut bezahlt wurde), dann hätte er wohl genau so reagiert. Auch die Tatsache, daß er später, nachdem er Zeit hatte, die Dissertation nochmals (oder erstmalig?) zu lesen, plötzlich von dieser Ansicht abgewichen ist, am Sonntag "handwerkliche Fehler" eingeräumt hat und versuchte, die Sache mit einer Entschuldigung aus der Welt zu schaffen, passt in dieses Bild. Später, bei der Befragung im Bundestag, strahlte seine Körpersprache die Überzeugung aus, daß man ihn zu unrecht bezichtigt. Wäre es wirklich so, daß jemand Anderer diese Dissertation geschrieben hätte, dann wäre diese subjektive Unschulds-Überzeugung durchaus nachvollziehbar, er hätte dann das Gefühl haben können und müssen, daß er - ungerechterweise - für jemanden Anderen den Kopf hinhalten muß.

Da er allerdings natürlich diese Überzeugung logischerweise nicht hätte äußern können, ohne sich selbst gleichzeitig einer noch viel schwereren Straftat als der des Plagiates zu bezichtigen, nämlich der des vorsätzlichen Betruges zur Erschleichung eines Titels, wäre er in diesem Fall tatsächlich in einer schwierigen Situation gewesen. Es wäre in dem Fall nachvollziehbar, daß er einige Tage später dann sagt, er sei am Ende seiner Kräfte angelangt: Nichts ist psychisch so belastend wie die Erkenntnis, sich in einer Zwickmühle zu befinden.

Das Verhalten von Karl-Theodor zu Guttenberg ist tatsächlich am Besten zu verstehen und zu erklären, wenn wir annehmen, daß er die Dissertation tatsächlich an besagtem Wochenende zum Ersten Mal gelesen hat. Nur so wird jeder seiner Schritte logisch nachvollziehbar (was natürlich nichts über Moral aussagt).

Nehmen wir also einmal an, daß KT zu Guttenberg sich seinerzeit im Jahre 2002 oder 2003 - aus durchaus nachvollziehbaren Zeitgründen - dazu entschlossen hätte, für seine Doktorarbeit einen Ghostwriter zu engagieren. Auf welchen Schreiber wäre seine Wahl wohl gefallen? Welche Eigenschaften hätte jemand haben müssen, der von ihm - sicherlich gegen ein nicht unerhebliches Honorar, an finanziellen Mitteln mangelte es dem Freiherren ja nicht - einen solchen Auftrag bekommt?

Sicherlich hätte er dafür keinen Studenten der niedrigeren Semester herangezogen. Auch seine Ehefrau als Ghostwriterin ist nur schwer vorstellbar. Ein Freiherr zu Guttenberg ist es gewöhnt, Maßanzüge zu tragen, und genauso dürfte er sich auch für diese Aufgabe "den Besten der Besten" unter den verfügbaren Kandidaten gesucht haben. Der Verdacht, daß es ein wissenschaftlicher Mitarbeiter oder gar ein Professor der Uni Bayreuth gewesen sein könnte, liegt nahe. Mindestens aber dürfte der hypothetische Ghostwriter bereits selbst seine eigene Dissertation abgeliefert und seine eigene Promotion erhalten haben. Ich zumindest hätte es - wäre ich an der Stelle des Herrn zu Guttenberg gewesen - nicht darunter getan.

Darüber hinaus hätte ich natürlich auch noch Wert darauf gelegt, daß ich mich auf die Verschwiegenheit des Schreibers verlassen kann. Selbstverständlich fliesst in solchen Fällen ein Honorar, aber natürlich reicht das nicht, denn falls der Empfänger des Honorars später einmal "ausplaudert", wofür er sein Geld bekommen hat, dann sind die katastophalen Folgen abzusehen. Ideal wäre eine verwandtschaftliche Beziehung der beiden Vertragspartner, denn dann ist die Wahrscheinlichkeit der Indiskretion am Geringsten. Auch eine gemeinsame Mitgliedschaft in einer Partei kann natürlich ein Garant für langjährige Solidarität sein, insbesondere dann, wenn in späteren Jahren vom Schweigen nicht nur die Karriere des Auftraggebers, sondern auch die des Auftragnehmers abhängt.

Nun stellt sich aber wiederum die gleiche Frage wie am Anfang: Wenn jemand, der "vom Fach" ist, der also Rechtwissenschaften mit dem Schwerpunkt Verfassungsrecht studiert hat, und der möglicherweise selbst bereits im gleichen Fach promoviert hat, eine so schlechte Arbeit vorlegt - was ist dann der Grund dafür? Auf "Zeitmangel" wie Herr zu Guttenberg selbst dürfte sich der Ghostwriter vermutlich nicht berufen können, denn daß es sich auch bei ihm um ein Mitglied des Bundestages handelte, können wir wohl als sehr unwahrscheinlich ausschliessen.

Auch hier wieder müssen wir uns die gleichen Fragen stellen wie ganz am Anfang beim Freiherren selbst, und auch hier gibt es wieder entweder die Möglichkeit von psychologischen Störungen, die Wahrnehmung betreffend, oder die von einem heimlichen, unbewussten Wunsch nach Entdeckung.

Ist es denkbar, daß jemand einen solchen Auftrag entgegen nimmt, und dann aber bei der Ausführung des Auftrages sich heimlich wünscht, daß die Sache auffliegt?

Es ist durchaus vorstellbar. Ein Wissenschaftler, der durch äußere Umstände dazu gezwungen wird, die Prinzipien der Wissenschaft und seine Ehre als Wissenschaftler zu verraten, wird unter dieser Situation leiden. Er wird möglicherweise einen heimlichen Groll gegen die Person hegen, die ihn in diese Situation gebracht hat, oder aber auch nur auf die Umstände, die ihn zu diesem Verrat zwingen. Er wird mit seinem Schicksal hadern, daß er bis an sein Lebensende diesen Makel mit sich herumschleppen muß. Und es ist durchaus denkbar, daß sich dieser Groll in seiner Arbeit niederschlägt.

Schauen wir uns die Dissertation nochmals nach diesem Kriterium an, und wir werden finden, daß es genügend Stellen gibt, wo der Schreiber das Plagiat hätte besser verschleiern können, damit der Betrug nicht so schnell auffällt. Alleine schon die Tatsache, daß bereits in der Einleitung ein relativ bekannter Text genau abgeschrieben wurde, schiebt die Wahrscheinlichkeit, daß der Betrug irgendwann auffällt, schon sehr nahe an die 100%-Grenze heran. Dies tut man nicht ohne Absicht. Die Absicht mag unbewusst sein, aber sie hat sich im Werk niedergeschlagen.

Die schlechte Ausführung der Dissertation muß nicht, aber kann als ein Hilferuf des Schreibers gewertet werden. Es könnte sich hierbei um Spuren handeln, die er - unbewusst, aber zielführend - gelegt hat, damit sie zur Aufdeckung seiner Tat führen.

Falls das so war, dann ist sein - wie ich denke, unbewusster - Plan aufgegangen. Ich bezweifle aber, daß er sich darüber gefreut hat.

Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eröffnet. Die Kriminalpolizei, die die Ermittlungen leitet, sollte sich das damalige universitäre Umfeld des Freiherrn zu Guttenberg genau anschauen, natürlich auch überprüfen, an wen in dieser Zeit Geldbeträge geflossen sind. Und man sollte die Menschen eingehend befragen.

Falls meine Vermutung stimmt, dann trägt der Schreiber jetzt an einer doppelten Gewissensbelastung wegen einem doppelten Verrat, den er begangen hat: Erst den an der Wissenschaft, und dann den an seinem Auftraggeber. Und er weiß: Wenn er seine Belastung jemals jemandem offenbart, dann wird er von der Öffentlichkeit in Stücke gerissen.

Er hat - im Gegensatz zu seinem Auftraggeber - mein allertiefstes Mitgefühl.

(c) Gerald Lukas.

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