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Ausdisputiert - und es bleibt ein übler Nachgeschmack

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Nichts wirklich Neues aus Bayreuth

So, jetzt haben sie also ausdisputiert, die Herren der Kommission 'Selbstkontrolle in der Wissenschaft' der Uni Bayreuth! Was genau in den 40 Seiten des Reports steht, den sie in annähernd dreimonatiger Tätigkeit erstellt haben, werden wir zwar erst am 11.05. erfahren, aber die 'Basics' rauschten schon gestern in mehr als 500 Presse-Beiträgen durch den virtuellen Blätterwald des Internets, nachdem die Universität eine aktuelle Presseerklärung dazu veröffentlicht hatte.

Nicht, dass ohnehin gut über die 'Causa Guttenberg' informierte Zeitgenossen dabei etwas wirklich Neues erfahren hätten: Dass der vormalige Verteidigungsminister in der Tat beim (sofern nicht doch ein 'Ghostwriter im Spiel gewesen sein sollte) heimwerken an seinem Mega-Plagiat VORSÄTZLICH vorgegangen ist, war ja bereits seit Wochen offenkundig, und auch der stern.de bemerkt dazu: "Nein, der Urteilsspruch zu Bayreuth ist keine Überraschung. Dass Ex-Verteidigungsminister Guttenberg beim Schreiben seiner Dissertation vorsätzlich und billig getäuscht und getrickst hat, war spätestens seit den atemberaubenden Belegen auf GuttenPlag Wiki sonnenklar." [1]


Mitverantwortung? Nein danke!

Auch dass die Kommissions-Mitglieder versuchen würden, die Mitverantwortung der in dieses Promotions-Desaster involvierten Professoren möglichst klein zu reden, war durchaus abzusehen. Die Chutzpe jedoch, mit der jetzt offenbar JEGLICHES Teil-Verschulden seitens ihrer in die Affäre verstrickten Kollegen in Abrede gestellt werden soll, ist geradezu atemberaubend, auch wenn der Sachverhalt gänzlich leidenschaftslos beschrieben wird, wie man es im Spiegel Online vorexerziert:

"Die Kommission hat im Fall zu Guttenberg auch das konkrete Promotionsverfahren untersucht und eine Mitverantwortung des Doktorvaters und des Zweitgutachters für das wissenschaftliche Fehlverhalten von Herrn zu Guttenberg verneint. Sie stellt allerdings fest, dass die Benotung der Doktorarbeit mit dem Prädikat 'summa cum laude' einer ausführlicheren Begründung bedurft hätte. Die Gutachten gäben nicht genügend Aufschluss darüber, welches die hervorstechenden Thesen oder die besonderen Ergebnisse der Arbeit seien, derentwegen die Vergabe der Höchstnote gerechtfertigt erschien." [2]


Kollegenschelte?

Während die derzeitigen Hofberichterstatter des 'Real existierenden Wissenschaftsbetriebs' bei Die Welt (Online), aber auch die ansonsten kritikfreudigere sueddeutsche.de und viele andere diesen brisanten Teilaspekt der Affäre Guttenberg gänzlich unerwähnt lassen, bringt der Tagesspiegel Online sogar das Kunststück fertig, seinen LeserInnen die peinliche Reinwaschungs-Aktion auch noch als 'Kollegenschelte' zu verkaufen: "Die Kommission hat auch das Promotionsverfahren untersucht und dabei Kritik an Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle geübt", heißt es dort. "Zwar trage er keine Mitverantwortung für Guttenbergs Fehlverhalten, doch haben die Bayreuther Prüfer Zweifel daran, dass die Höchstnote 'summa cum laude' gerechtfertigt war." [3] Und auch bei der Frankfurter Rundschau bläst man ähnlich schräg ins selbe Horn: "In der Absetzbewegung [von zu Guttenberg] bleibt sogar der Doktorvater auf der Strecke. Kaum verhohlen mokieren sich seine Kollegen über das 'Summa cum laude' für Guttenbergs zusammengeklaubtes Machwerk." [4]


Die Kommission verschont die Kollegen

Erfrischend deutlich - und offenbar mit weitaus mehr Kenntnis der Materie ausgestattet - äußert sich dagegen stern.de-Kommentator Florian Güßgen, der in ein ganzes Kapitel ("Die Kommission verschont die Kollegen") seines aktuellen Online-Beitrags u.a. der mangelnden Selbstkritik an der Universität widmet. Dazu schreibt er: "Bei dem Kommissionsbericht geht es ohnehin längst nicht nur um Guttenberg - der ist politisch-moralisch schon Vergangenheit - sondern auch um eine Selbstreinigung der akademischen Welt. Und hier ist noch nicht ganz klar, wie erhellend und wie ehrlich die Kommission ihre Schlüsse zieht. Zwar wird Guttenberg in der Pressemitteilung der Universität gegeißelt, aber jene Strukturen, die sein Plagiat ermöglichten, werden dem ersten Eindruck nach eher geschont.

Etwa ,wenn es um die Mitverantwortung des Doktorvaters Peter Häberle und des Zweitkorrektors Rudolf Streinz geht. Die Kollegen der Kommission sprechen die beiden frei. Nur die Bestnote 'summa cum laude' sei doch etwas zu viel des Guten gewesen, heißt es. Dieses Urteil erscheint sehr, sehr gnädig. Zwar ist es richtig, dass Professoren ihren Studenten einen Vertrauensvorschuss geben müssen, Misstrauen ist keine Basis für gedeihliche Zusammenarbeit. Aber trotzdem steht die Frage weiterhin im Raum, wie ein Plagiat dieses Ausmaßes den Herren Betreuern durchgehen konnte. Was lief da schief? Erst am Mittwoch wird der Bericht vollständig veröffentlich. Es bleibt abzuwarten, ob da mehr über die Versäumnisse des Doktorvaters drin steht - und wie genau die Empfehlungen für eine bessere Betreuungsarbeit aussehen. Ein Persilschein jedenfalls wäre zu wenig, zumal auch die Plagiatsvorwürfe gegen die Stoiber-Tochter Veronika Saß und die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin zeigen, dass es bei der Betreuung, zumal externer Doktoranden, ein strukturelles Problem an deutschen Universitäten zu geben scheint." [5]

Und auch die Lausitzer Rundschau, wo man ebenfalls ein klares Bild der Verantwortlichkeiten zeichnet, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Dort heißt es, kurz und prägnant: "Dass nach Ansicht der Universität allerdings das Promotionsverfahren einwandfrei gewesen und Guttenbergs professorale Mentoren keine Fehler gemacht haben sollen, klingt gänzlich unglaubhaft. Man hält offenbar auch in Bayreuth zusammen." [6]


'Klartext' nur von externen Fachleuten

Sogar noch einen Schritt weiter geht lobenswerter Weise die Frankfurter Allgemeine (FAZ.NET), die nicht nur die Verneinung einer Mitverantwortung des Doktorvaters und des Zweitgutachters für den vorübergehenden Erfolg der zu Guttenberg´schen Täuschungsaktion durch die Kommission kritisch hinterfragt, sondern auch andere Meinungen dazu einholt: "Fachleute für wissenschaftliche Plagiate [7] weisen hingegen darauf hin, dass sich der Doktorvater, der Staatsrechtler Häberle, und der Zweitgutachter, der Europarechtler Streinz, die nichtöffentlichen Quellen des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags hätten zeigen lassen müssen. Insgesamt gehen gut 50 Seiten der Dissertation auf Plagiate der Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes zurück. Doktorvater und Zweitkorrektor gaben sich offenbar mit einer einzigen Fußnote dazu zufrieden.

In dieser einen Fußnote schreibt Guttenberg, dass er wesentliche Impulse Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags verdanke. Wer solche Fußnoten schreibe, so die Plagiatfachleute, der verschleiere und täusche absichtlich. Schließlich hätte nichts dagegen gesprochen, die Gutachten des Dienstes zu zitieren. Als strukturell bedingte Plagiatsaffäre sehen die Experten Guttenbergs Dissertation nur insofern, als es bei wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten immer wieder Plagiatsversuche und unentdeckte Plagiate gibt. Ansonsten gebe es aber 'stille, geradezu korruptive Elemente', die auf ein 'männerbündisches Verhältnis des Doktorvaters zu seinen Doktoranden' zurückgingen." [8]


Conclusio

Wir können somit abschließend feststellen: Sollte der anstehende 40-Seiten Bericht nicht doch noch einige Überraschungen für uns bereit halten - was der Verfasser allerdings zu bezweifeln wagt -, dann ist der Kommission, aber auch der Universitätsleitung, schon jetzt zu attestieren, dass sie sich und ihre Universität gründlich blamiert haben. Während Präsident Bormann et al. sich von Beginn der 'Affäre Guttenberg' an windelweich taktierend durch dieselbe laviert haben [9], beweist die Kommission 'Selbstkontrolle in der Wissenschaft' jetzt einmal mehr, dass an der alten Volksweisheit 'Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus' durchaus etwas dran ist.

Zu Guttebergs Doktorvater Peter Häberle (inzwischen emeritiert) und Zweitgutachter Rudolf Streinz (zwischenzeitlich zur Ludwig-Maximilians-Universität München übergewechselt), die selber ebenfalls jedes echte Problem- und Verantwortungsbewusstsein vermissen ließen [10], lediglich danach zu fragen, wieso sie 475 Seiten 'heiße' oder, noch zureffender, 'lauwarme Luft' mit einem summa cum laude benoten konnten, ist nicht nur beschönigend, sondern es geht am Kern des Problems vorbei. Die Herren der Kommission 'Selbstkontrolle in der Wissenschaft' müssen sich durchaus den Vorwurf gefallen lassen, konsequent die Augen davor verschlossen zu haben, dass zu Guttenbergs plagiatorisches Husarenstück niemals hätte erfolgreich durchgeführt werden können, wäre dies nicht durch die seinerzeit an der Universität Bayreuth herrschenden Zustände massiv begünstigt worden. Ob sich an diesen Zuständen seither tatsächlich etwas geändert hat, und ob die Vorschläge der Kommission wirklich geeignet sind, dort ein weiteres 'Copygate' unmöglich zu machen, muss sich erst noch erweisen. Vorläufig bleibt jedenfalls der üble Nachgeschmack einer Affäre, die ausgesessen und überspielt, aber nicht gründlich aufgearbeitet wurde.


Fußnoten (so viel Zeit muss sein!)


  1. Quelle: stern.de 06.05. 2011: Plagiator Guttenberg und die Universität Bayreuth: Lügenbaron, jetzt mit Brief und Siegel (Florian Güßgen)
  2. Quelle: Spiegel Online 06.05.2011: Mitteilung der Uni Bayreuth - "Guttenberg hat sich immer wieder die Autorschaft angemaßt"
  3. Quelle: Tagesspiegel Online 06.05. 2011: Uni Bayreuth: Guttenberg hat vorsätzlich getäuscht
  4. Quelle: Frankfurter Rundschau 06.05. 2011: Kommentar zu Guttenberg - Vernichtendes Urteil
  5. Quelle: stern.de 06.05. 2011: Plagiator Guttenberg und die Universität Bayreuth: Lügenbaron, jetzt mit Brief und Siegel (Florian Güßgen)
  6. Quelle: Lausitzer Rundschau 06.05. 2011: Lausitzer Rundschau: Kaiser ohne Kleider Ex-Minister Guttenberg hat bewusst getäuscht, nach: www.presseportal.de
  7. Anmerkung: Der Verfasser bedauert, dass diese Fachleute bei FAZ.NET nicht namentlich genannt werden. Er wird diesbezüglich nachrecherieren.
  8. Quelle: FAZ.NET 06.05. 2011: Universität Bayreuth - „Guttenberg hat vorsätzlich getäuscht“
  9. Anmerkung: Vergl. dazu auch: Mr. Nice, "Uni Bayreuth - "Gentlemen's Agreement" zu befürchten?", bei: GuttenPlag Wiki
  10. Siehe dazu etwa: TheEpochTimes Deutschland 07.03.2011: BAYREUTH - Professoren verteidigen sich wegen Guttenbergs Doktorarbeit (dapd)

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