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Forum: Übersicht > Plagiat = jede textliche Übernahme?

Ich wollte mal wissen, ob tatsächlich jede textliche Übernahme als Plagiat zu bewerten ist. In dem Aufsatz von Weber-Wulff, Information Wissenschaft und Praxis, 57(2006)2, S. 90 heißt es ja, dass die "Aneignung fremden Geistesgutes" erforderlich ist und der "Urheber" gekennzeichnet werden müsse. Muss also jede textliche Übernahme mit einer Quelle versehen werden, auch wenn gar kein "Geistesgut" bzw. eine gewisse schöpferische Leistung / Schöpfungstife erreicht ist? Das klang mal in der Zeit so an: http://www.zeit.de/studium/hochschule/2011-05/plagiate-historie/seite-2



JA!


Hatte ich auch schon mal drüber nachgedacht! In dem Bericht der Kommission der Universität Bayreuth vom 05.05.2011 heißt es auf S. 13 ja auch, dass "eigene von fremden wissenschaftlichen Leistungen" unterschieden und kenntlich gemacht werden müssen (dort unter Bezug auf Thomas M. J. Möllers, Juistische Arbeitstechniken und wissenschaftliches Arbeiten. 5. Aufl., München 2011, S. 133). Und Thomas M. J. Möllers sagt in der JuS 2002, S. 829, dass man bei Berichten über Gesetze nur diese zitieren darf, weil Voraussetzungen und Rechtsfolgen eben (und nur) dort stehen und nicht bei einem Autor, der darüber berichtet. "Behauptungen, die evident oder allgemein bekannt sind, müssen und dürfen nicht belegt werden" (Thomas M. J. Möllers, JuS 2002, S. 829). "Evident ist ein Sachverhalt, der unmittelbar ohne besondere methodische Aneignung klar auf der Hand liegt" (Wiki, Evidenz). Macht ja auch Sinn, da es sich nicht um "wissenschaftliche Leistungen" handelt. Die entstehen ja erst, durch eine eigenständige Bewertung und eigene Schlussfolgerungen etc. Solche dürfen natürlich nicht ohne Nennung des Urhebers übernommen werden, so dass natürlich auch Argumentationsstrukturen (ohne textlixhe Übernahmen) anderer kenntlich gemacht werden müssen. Aber davon ist ja unser Freiherr weit entfernt!!!


Es ist NUR dann ein Plagiat, wenn es nicht als Zitat gekennzeichnet ist.

Ansonsten kann eine Dissertation ohne Probleme aus 80 oder gar 90% Fremdmaterial bestehen.

Wichtig ist halt nur, dass man es kennzeichnet. 80.133.92.92 18:13, 6. Jul. 2011 (UTC)

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90 % führt ja dazu, dass man kaum was Neues hat, das die Wissenschaft weiter bringt. Da wird man sicherlich - trotz korrekter Zitierweise - keinen Dr-Titel für bekommen.

Das Zitieren haben wir auch so gelernt (Jura). Unser Prof. meinte, dass man mit den Zitaten nur zeigt, wer was wissenschafltiches geschrieben hat. Der darf auch nicht unerwähnt bleiben. Man soll gerade wissenschaftliche Gedanken anderer und nicht nur deren reines blah blah kennzeichnen. Das kann man ohne Kennzeichnung übernehmen. In der Diss wird ja auch nicht abgeprüft, ob man Texte formulieren kann. Das ist ja schon in der Schule abgefrühstückt. Reines blah blah, dass nicht über das routinemäßige Berichten hinausgeht, muss nicht gekennzeichnet werden. Bleibt spannend, wie das in Zukunft bewertet wird.



Nach Herrn Prof. Rieble plagieren ja alle und nur. Das Landgericht Hamburg hat ihn mal in seine Schranken gewiesen:Die Widergabe im Sinne einer erläutenden Darstellung beinhaltet keinen kennzeichnungspflichtigen „Gedankengang“ und kann nicht den „Vorwurf des zitatfreien Übernehmens von Gedanken bzw. des Plagiierens begründen“ (LG Hamburg, Urteil vom 21. Januar 2011 -- 324 O 358/10, Beck RS 2011, 09473). Prof. Greger hatte was von Prof. Rieble übernommen. Das LG Hamburg befand aber, dass man einen Bericht über einen Regierungsentwurf zu einem Gesetz ohne kennzeichnung übernehmen könne, ohne dass es sich um ein Plagiat handele. Scheint wohl noch Klärungsbedarf an der Plagiatsfront zu geben.


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Immer noch "JA!".


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Zur Lektüre empfehle ich Thomas M. J. Möllers, Juristische Arbeitstechnik und wissenschaftliches Arbeiten, 5. Aufl., München 2010:

Innerhalb einer Dissertation wird vom Prüfer bewertet, ob es sich um eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit handelt. Dazu benötigt er nur bei Texteilen, die Wissenschaft beinhalten, eine Kennzeichnung, damit die Einordnung als eigenständig oder übernommen gelingt. Ob es sich um Wissenschaft handelt, kann der Prüfer selber bewerten. Dafür benötigt er keiner Kennzeichnung. Eine Dissertation kann daher fremde Texte wörtlich übernehmen, wenn diese keine Wissenschaft beinhalten. Es liegt dann kein Plagiat vor, sondern allenfalls eine Darstelllung oder ein Sachbericht, der keine wissenschaftliche Leistung beinhaltet und folglich auch nicht für eine erfolgreiche Dissertation genügt. Das hat aber nichts mit einem Wissenschaftsplagiat zu tun.85.176.164.234 13:37, 17. Jul. 2011 (UTC)

  1. Es ergeben sich die Voraussetzungen Rechtsfolgen bereits aus dem Gesetz, ist unter Bezugnahme auf die Rechtsquellenlehre (Möllers, aaO, Rdn. 155) nur das Gesetz zu zitieren ist (Möllers, aaO, Rdn. 442) und nicht ein Autor X, der dieses auch schon mal beschrieben hat.
  2. Dinge, die evident oder allgemein bekannt sind, dürfen nicht zitiert werden (Möllers, aaO, Rdn. 440). Evident ist nach Wiki ein Sachverhalt, der unmittelbar ohne besondere methodische Aneignung klar auf der Hand liegt. Damit korrespondiert, dass nur Texte zu zitieren sind, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen (Möllers, aaO, Rdn. 475), da nur bei diesen eine methodische Aneignung prägend ist. Kennzeichnungspflichtig sind daher auch nur "Rechtsmeinungen" oder "Thesen" (Möllers, aaO, Rdn. 432) oder "Argumente", was die gesamte Rechtsprechung zum Entzug von Titeln so sieht. "Die reine Dastellung der Rechtslage" ist im Übrigen "noch keine wissenschaftliche Leistung" (Möllers, aaO, Rdn. 271). Ein Wissenschaftsplagiat scheidet in diesem Bereich daher von Anbeginn aus.

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Auch wenn es schon eine Weile her ist. Der Autor des letzten Abschnitts hat natürlich recht. Eine gewisse Schöpfungshöhe des Inhalts und die Eigenständigkeit der Darstellung des jeweiligen Inhalts sind notwendig, um bei einer wörtlichen, bzw. sinngemäßen Übernahme von einem Plagiat zu sprechen. Derjenige, der hier immer mit "JA!" antwortet, würde wahrscheinlich auch die Formulierung - Der Siedepunkt von Wasser liegt bei 100°C - in Anführungszeichen setzen und mit Quellenangabe versehen, was vollkommen absurd und lächerlich wäre. Gerade auch in den Naturwissenschaften gibt es immer wieder ähnliche Formulierungen bei theoretischen Grundlagen, es mag sogar sein, dass diese auch abgeschrieben werden, allerdings kann man bei allgemein bekannten theoretischen Grundlagen bei einzelnen Formulierungen nicht von einem Plagiat reden. Bestimmte Formulierungen haben sich auch eingebürgert. Ich kenne keinen Gutachter (zumindest in den Naturwissenschaften), der hier ein Problem sieht. Sollten dagegen die kompletten Abschnitte seitenweise wörtlich übernommen werden, ist das nicht in Ordnung. 91.51.42.146 20:10, 13. Jan. 2013 (UTC)