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403 Nachwort

Nachwort

Gemeinsam bilden Europa und die USA die weltweit bedeutendste Einflusssphäre von Demokratie, Sicherheit, Wohlstand und Frieden. Dennoch sind USA und Europa vornehmlich Mächte des Status quo, denen in erster Linie an der Bewahrung ihrer eigenen Werte gelegen ist. Obgleich beide ein sich in hoher Rasanz wandelndes Verständnis globaler Zusammenhänge federführend mitbestimmen, steht einer Verwirklichung gemeinsamer Hoffnungen ein – trotz aller gemeinsamen Wurzeln – durchaus unterschiedlicher Konservatismus entgegen, der sich aus den eigenverantwortlich materialistischen Grundprägungen beider Gesellschaften nährt.

Das Spannungsfeld Konservativismus und Moderne auch im transatlantischen Verhältnis anzuführen ist schon deswegen nicht reizlos als auch die Kopplung beider Ausrichtungen zunehmend deutlich wird. Auch im weiten Feld des in der Praxis erprobten Verfassungsverständnisses. Todesstrafe, genmanipulierte Lebensmittel, aber auch die Notwendigkeit militärischer Interventionen lassen (bei allen benevolenten Hegemonialstrukturen) eine wachsende gegenseitige Einflussnahme und in vielen Teilbereichen Abhängigkeit erkennen. Ein Mischverhältnis aus Emanzipierung und Fügung. Freilich bleiben die latente Amerikanisierung und deren fundamentale Ablehnung als dynamische Gegenpole erhalten.

Kulturell lassen sich jedoch auch Tendenzen einer Entfremdung ausmachen. Je mehr sich Europa und die Vereinigten Staaten gesellschaftlich politisch letztlich in der Verfassungswirklichkeit gleichen, desto lauter werden die Stimmen der Ablehnung eines Assimilierungsprozesses. Die Europäer, insbesondere die Einzelstaaten, sträuben sich gegen eine Strömung, die sie als fremden Eingriff fremder Ideen in ihre traditionelle Identität betrachten. Illustrativ steht hierfür Frankreich, das durch gesellschaftspolitische Einzelmaßnahmen Druck ausübt, um die so verstandene kulturelle Einzigartigkeit des Landes zu bewahren.

In Deutschland wird die neue Distanz auf einer anderen Ebene sichtbar. Das Selbstbewusstsein auf internationaler Ebene ohne die betonte Fessel der Vergangenheit als Streitschlichter Profil zu gewinnen – etwa im nahen Osten ein Einfluss über den Frankreich beispielsweise nicht mehr verfügt – zeugt von einem ausgeprägten Willen zur Emanzipation.

Beide - die Vereinigten Staaten und Europa eint die Idee eines neuen, gewaltlosen und positiv einzuschätzenden "Verfassungsimperialismus": die Grenzen des Friedens, der Stabilität und der Demokratie nach Osteuropa und die restliche Welt wenigstens in der Respektierung auszuweiten, ist eine Anforderung, die Europa

Zusammen bilden Europa und die USA die größte Einflusssphäre von Sicherheit, Demokratie, Frieden und Wohlstand auf der Welt. Auf einem sich rasant wandelnden Planeten und obgleich sie diesen Wandel selbst aktiv vorantreiben, sind die USA und Europa in erster Linie Mächte des Status quo, denen hauptsächlich an der Bewahrung ihrer eigenen Werte gelegen ist. Das führt zu einem natürlichen Konservatismus, der bei diesen stark materialistisch geprägten Gesellschaften einer Verwirklichung gemeinsamer Hoffnungen im Wege steht.

[..]

Militärische Intervention ist nicht der einzige Bereich, in dem man eine Europäisierung der Vereinigten Staaten beobachten kann. Von der Todesstrafe bis hin zu genmanipulierten Lebensmitteln funktionieren Einflussnahme und Abhängigkeit zunehmend in beide Richtungen. Die Amerikanisierung der Welt und die Europäisierung der USA sind zwei Erscheinungsformen der Globalisierung. Weil sich aber unsere Kulturen, unsere historischen und sozialen Traditionen unterscheiden und weil wir uns durch unsere verschiedene Schwerpunktsetzung voneinander entfernen, führt uns die Tatsache, dass wir einander gründlicher und vielfältiger beeinflussen als je zuvor, keineswegs zusammen.

Je mehr sich Europa und die Vereinigten Staaten gleichen, desto mehr lehnen wir dies ab und desto mehr lehnen wir einander ab. Die Europäer sträuben sich gegen etwas, was sie als fremden Eingriff fremder Ideen in ihre traditionelle Identität betrachten. Je mehr sich zum Beispiel die Franzosen wie Amerikaner kleiden, amerikanisch essen und zu amerikanischer Musik tanzen, desto mehr verspüren sie das Bedürfnis, jene Dinge zu verteidigen, die in ihren Augen ihre kulturelle Einzigartigkeit ausmachen.

Die Entfremdung von der USA ist in Deutschland sogar noch deutlicher zu beobachten. Das neue Deutschland fühlt sich nicht mehr durch seine Vergangenheit gehindert, wenn es im Namen Europas als diplomatischer Vermittler im Nahen Osten auftritt. Deutschland profitiert vom Vertrauen, das es bei beiden Konfliktparteien genießt, ein Einfluss, über den Frankreich nicht mehr verfügt.

Amerika und Europa müssen anfangen, ihre Tradition der Allianz und des Dialogs zu überdenken, in einer neuen kulturellen Landschaft, die von einem Nebeneinander vielfältiger und gegensätzlicher Identitäten geprägt ist. Je mehr wir uns ähneln, desto mehr neigen wir dazu, unsere Unterschiede zu betonen. Die transatlantische Krise ist real und muss als solche erkannt werden, wenn der politische Wille gefasst werden soll, sich erfolgreich mit ihr auseinander zu setzen. Den Versuch ist es allemal wert: Die Grenzen der Demokratie, des Friedens und der Stabilität nach Osteuropa und in die ganze Welt zu erweitern, zu garantieren, dass Russland oder sogar China nicht einen gefährlicheren Weg einschlagen, das sind Aufgaben, die die USA und Europa

Übernommen aus
Dominique Moisi,
Europa träumt anders als Amerika (04.09.2001)
In: Die Welt
Link: http://www.welt.de/print-welt/article473763/Europa_traeumt_anders_als_Amerika.html

Im letzten Absatz etwas stärkere Überarbeitung erkennbar, aber unverwechselbar im Geist der Originalquelle


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31 Kommentare

 
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  • Viel mehr, als jede kleine Textveränderung, beweist die schiere Menge der übernommenen Texte ohne Nachweis das Plagiat. Warum stoppelt einer so viele Seiten mühevoll aus allen möglichen Originalien zusammen? Eine Nummer kleiner ging wohl nicht?

  • Ich werd das Buch kaufen. Weil, inhaltlich find ichs gut, so beim überfliegen. Vielleicht werd ich den Herrn auch mal wählen. Überaus korrekte Politiker/innen haben wir doch schon so furchtbar viele. Aber selbst grüne "Steineschmeisser" konnten hierzulande schon Dinge bewegen. Neulich meinte sogar einer in einer Talkshow (Will oder Pla?berg), die Leute bräuchten ehrliche Politiker (sinngemäß), auch noch einer von der SPD. Da hab ich mich mit Gedanken an Atomwerk-(vielleicht)-zu-FossilFuel-aus-Russland-Pipeline-auf-Gerhart erfreut. Aber nur kurz, dann seh ich die Zettel zur Landtagswahl und bin von meiner seltenen demokratischen Einflussnahme ganz niedergeschlagen und bete: bitte bitte, jemand, oben!... backt schnell nen neuen Prinzen, oder nen gülden Harvard-Absolventen von Weltruhm, edel und gerecht für unser Deutschland grade recht...

  • SOWAS wie hier aufgezeigt ist kein plagiat!!!! vielleicht sich erstmal selbst erkundigen und ne dr.-arbeit schreiben bevor man die fresse aufmacht... das geht mir vielleicht auf den sack!

  • Die ganze Arbeit ist ein absolutes Kunstwerk. Dada lässt grüßen... ;)

  • Ein Betrüger. Ein Titelerschleicher. Wer will von so nem Faker noch vertreten werden?

  • Sowas gab es in der Geschichte wohl noch nicht. Dieses dreiste Stück hat vom ersten bis zum letzten Wort Sachen zusammengeklaut / zusammenklauen lassen. Ich werd heulen wenn er den Titel behalten darf.

  • Die Stelle gibt einen deutlichen Hinweis darauf, wie Guttenberg bzw. wer immer da am Werke war jedenfalls hier vorgegangen ist. Da ist ein bißchen am Originaltext herumgerückt worden - in der im Grunde irrsinnigen Vorstellung, nun sei nicht mehr erkennbar, daß die ganze Passage nicht aus der eigenen Feder stammt -, und in der Konzentration auf dieses Ziel ist das inhaltliche Verständnis des Originaltextes auf der Strecke geblieben: Der mit "Dennoch..." beginnende Satz nimmt Formulierungen und einen Gedanken des Originaltextes auf, die dort etwas weiter unten stehen; und zwar dort folgerichtig. Denn es ist zunächst vom rasanten Wandel, der durch die USA und Europa selbst verursacht sei, die Rede, und dann wird mit dem Adversativum auf das paradoxale Verhältnis hingewiesen, in dem dazu der Charakter beider Weltzonen als "Mächte des Status quo" stehe. Bei Gutenberg entsteht aber ein logischer Bruch: dem "Dennoch" fehlt der logische Bezugspunkt, der durch das den Satz einleitende Adversativum zu erwartende Widerspruch zum vorangehenden Satz fehlt. Denn in dem ist von rein gar nichts (Dynamik, rasanter Wandel etc.) die Rede, zu dem Wahrung des Status quo in einem tatsächlich oder scheinbar gegensätzlichen Verhältnis stünde.

  • Prekär für Herrn zu Guttenberg ist nun,daß er gerne selbst den mahnenden, aber auch gleichzeitig strafenden Finger gehoben hat. Für mein moralisches Empfinden ist eigentlich viel schwerwiegender,als es diese plagierte Doktorarbeit ist,daß lt. FAS vom heutigen Tag ja auch seine Vita mehr als gewagt formuliert erscheint. Entweder ist Theodor ein Narziß,der sich nur spiegelverkehrt und tatsächlich sowie selbst beschrieben erkennen kann,oder er ein Aufschneider hohen Ranges. Schade,diese Lichtgestalt (Bildzeitung) hätte wirklich ein etwas anderer Politiker sein können. Seiner Frau,welche sich in seinem Lichte gedreht hat,wie der Mond im Glanze der Sonne,wird dies alles sehr weh tun. Wie gesagt schade aber Hochmut kommt immer noch vor dem Fall.

  • Eindeutig ein Plagiat (siehe Definition)

  • Kein Plagiat im engeren Sinne. Wuerde das als Formfehler einstufen da die original Quelle nicht genannt wurde. Bei einer universitaeren Ueberpruefung waere dieser Formfehler wohl auch nicht entdeckt worden. Bin dafuer diese Seite zu loeschen.

    von NHM202
    • Dir ist offensichtlich nicht klar, was eine Plagiat ist. Darum habe ich dir hier mal Wikipedia kopiert:

      "Ein Plagiat (von lat. plagium, „Menschenraub“) ist das bewusste Aneignen fremder geistiger Leistungen. Dies kann sich auf die Darstellung von Ideen (Urheberrecht) oder die Ideen selbst (Patentrecht, Geschmacksmusterrecht, Wissenschaft) beziehen.

      Eine Auffassung setzt für ein Plagiat die Benutzung eines urheberrechtlich geschützten Werkes voraus. Eine unerlaubte Benutzung liegt vor, wenn ein Werk ohne Zustimmung des Urhebers unverändert übernommen, umgestaltet oder bearbeitet wird (§ 23 UrhG)[1] Das so veränderte Werk muss dann noch vom Plagiator als sein eigenes ausgegeben werden."

      Diese Definition erfüllt das Guttenbergsche Nachwort.

    • Trifft es zu, dass Du - ich bitte andernfalls darum, mich zu korrigieren -, allen Ernstes wie folgt argumentierst: "Eine universitäre Prüfung hätte diesen "Formfehler" nicht aufgedeckt, folglich handelt es sich nicht um ein Plagiat"? Ist mit diesem Beispiel eventuell auch das Niveau Deiner (allfälligen) Argumentationsweise in wissenschaftlichen Zusammenhängen treffend beschrieben?

    • "Demokratie, Sicherheit, Wohlstand und Frieden" versus "Sicherheit, Demokratie, Frieden und Wohlstand" ist für mich einer der eindringlichsten Beweise in dieser Dissertation für eine vorsätzliche Täuschung (vorausgesetzt beide Textstellen sind ordentlich wiedergegeben). Mit "abstrus" und dem Vermerk "ein paar fehlender Fußnoten" lässt sich das nicht abtun. Hier war betrügerische Absicht im Spiel. Der Versuch, ordentlich zu zitieren, lässt sich hier nicht einmal im Ansatz erkennen. Selbst mit Gänsefüßchen und Fußnoten ist hier nichts mehr zurechtzubiegen. Wenn ich diese Textstellen in Verbindung mit der öffentlichen Stellungnahme von Dr. von Guttenberg sehe, muss ich abschließend feststellen, dass sich diese Dreistigkeit m.E. wohl schwer überbieten lässt. Nennen wir das Kind beim Namen: Hier wurde jemand beim Schummeln erwischt. Das ist natürlich peinlich. Wär er aber ein aufrichtiger Mensch, hätte er diesen Fehler längst zugeben müssen. Seine Unaufrichtigkeit hat er damit selbst enttarnt.

  • Der Originaltext wurde nur leicht gekürzt und leicht umgestellt übernommen. Das ist eindeutig ein Plagiat, da die Quelle in der Diss nicht angegeben wurde.

    Zudem beachte man, dass es sich hier um das Nachwort handelt! Es ist komplett unterirdisch, bei einer Diss nichtmal Vor- oder Nachwort mit eigenen Worten zu formulieren.

    Herr Guttenberg, Sie sind ein Prolet! Zumindest in akademischer Hinsicht ..

    • Ich würde vorsichtig sein mit solchen Äußerungen, da es durchaus Abweichungen gibt und auch das "Original" hier und jetzt nicht korrekt zitiert wurde - Frankreich - fehlt im letzten Absatz.

    • "Frankreich" fehlte tatsächlich hier - habe es repariert, so wie es im Artikel auf Welt.de vorhanden ist.

    • Ich habe mal gelernt, dass bereits drei Worte in richtiger Reihenfolge, bei denen die Zitation fehlt, den Vorwurfs des Plagiats erfüllt. Ich weiß nicht ob das juristisch Stand hält aber meine Uni verfährt so.

    • Es "gibt durchaus Abweichungen", aber die Uebereinstimmung ist so groß, dass die Beweiskraft muehelos an die eines "Fingerabdrucks" heranreicht. Und, wie gesagt, das ist das Nachwort, vielleicht das vermeintlich persoenlichste Statement in der ganzen Dissertation. Der Begriff "Prolet" trifft es.

  • was für ein müll.

  • warum ist das ein Pseudo Nachweis? Es ist doch eine klare literarische Abhängigkeit in Wortwahl und Textlogik nachzuvollziehen - fragt verwundert einer, der zufällig hier vorbeikommt.

    • Geht mir genauso. Jetzt wo es nichts mehr zu deuteln gibt werden die Plagiatsnachweise angezweifelt. Aua. Hier ist nicht mehr viel zu reden, die ganze Arbeit ist Murks.

  • Ah, die von-Guttenberg-Verteidiger werden langsam intelligenter: jetzt versuchen sie also die Plagiatsnachweise zu kompromittieren, indem sie hier einen albernen Pseudo-Nachweis einstellen und so das ganze GuttenPlag-Projekt lächerlich zu machen versuchen. Bitte kurz lachen und sich nicht irritieren lassen: es gibt genug echte Plagiate.

    • Da steckt wahrscheinlich eine bestimmte Jugendorganisation hinter. Das kenne ich aus der Lokalpolitik, wo man ähnlichen Blödsinn verzapft hatte und dann alle Kritik der Bürger in Zeitungsforen mit Negativbewertungen virtuell niederknüppeln wollte... Typisch. Die sollten sich schämen!

    • Rücknahme meiner obigen Äußerung: als ich vor 6 Tagen diesen Plagiatsnachweis kritisierte, sah der Text dieser Seite noch etwas anders aus — daher war das Plagiat nicht klar zu erkennen. Jetzt aber ist es, zudem mit den Hervorhebungen der wörtlich übernommenen Passagen, eindeutig als Plagiat sichtbar. Ich bereue aufrichtig, dass ich, unter dem Druck meiner Arbeit in der Politik und der Familie, sowie meiner kleinen Kinder, zudem finanziell notleidend … etc. pp. … ;–) den Überblick verloren und Fehler gemacht habe — Asche über mein Haupt —!, und unterstütze nachdrücklich die Wertung dieser Passage als eindeutiges, unverfrorenes Plagiat.

  • albern!

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